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VORAUSschau
Ausgabe 01 · 15.02.2026
Leitartikel · 15.02.2026 · 6 Min. Lesezeit

Wo Ihre Kunden wirklich suchen

Wo Ihre Kunden wirklich suchen

Das Buffet-Problem

Kennen Sie das Gefühl am Frühstücksbuffet im Urlaub? Rührei, Croissants, Pancakes, Obstsalat, Müsli – alles sieht gut aus und Sie laden sich den Teller voll. Das Ergebnis: Sie haben von allem etwas und von nichts genug. Und irgendwie schmeckt nichts so richtig.

Genauso geht es vielen Unternehmern mit Social Media und Online-Marketing. Facebook-Seite angelegt, Instagram-Profil erstellt, vielleicht noch TikTok probiert, Google My Business irgendwann mal eingerichtet. Überall ein bisschen was, nirgendwo richtig. Drei Posts pro Monat auf Instagram, eine verwaiste Facebook-Seite und ein Google-Profil mit dem Foto von der Firmenweihnachtsfeier 2022.

Zeit für eine unbequeme Wahrheit: Sie müssen nicht überall sein. Sie müssen da sein, wo Ihre Kunden sind. Und Sie müssen dort richtig gut sein.

Die Landkarte: Wer sucht wo?

Bevor wir über Plattformen reden, reden wir über Menschen. Denn die Frage ist nicht „Was ist die beste Plattform?“ – die Frage ist „Wo suchen meine Kunden?“

Und hier hat sich in den letzten zwei Jahren etwas Grundlegendes verändert. Google ist längst nicht mehr die einzige Suchmaschine. Fast die Hälfte der unter 30-Jährigen nutzt TikTok oder Instagram als erste Anlaufstelle, wenn sie etwas suchen – einen Friseur, ein Restaurant, einen Handwerker. Sie tippen nicht mehr „Maler Köln“ bei Google ein. Sie suchen auf TikTok nach „Wand streichen Tipps“ und finden dabei den Malerbetrieb, der ein 30-Sekunden-Video gedreht hat.

Gleichzeitig sind fast 60 bis 70 Prozent aller Google-Suchen sogenannte Zero-Click-Suchen: Der Nutzer bekommt seine Antwort direkt in den Suchergebnissen, ohne auf eine Website zu klicken. Ihr perfekt optimierter Internetauftritt? Den sieht er möglicherweise nie. Was er sieht, ist Ihr Google-Business-Profil – mit Bewertungen, Fotos und Öffnungszeiten.

Die Spielregeln haben sich geändert. Wer das ignoriert, spielt das Spiel von gestern.

1Google: Ihr digitales Schaufenster – ob Sie wollen oder nicht

Fangen wir mit dem Elefanten im Raum an. Google ist nicht hip, nicht aufregend und macht keinen Spaß. Aber Google ist der Ort, an dem Menschen suchen, wenn sie etwas brauchen. Nicht „irgendwann mal gucken“, sondern „jetzt brauche ich einen Klempner“ oder „Steuerberater in meiner Nähe“.

Für Handwerker, Finanzdienstleister und Einzelhändler bedeutet das: Ihr Google-Business-Profil ist möglicherweise der wichtigste Marketing-Kanal, den Sie haben. Komplett ausgefüllte Profile erhalten rund 70 Prozent mehr Besuche und erscheinen deutlich häufiger in den lokalen Suchergebnissen.

Das Problem: Die meisten Betriebe behandeln ihr Google-Profil wie einen Dachboden – einmal vollgestellt und dann vergessen. Veraltete Telefonnummern, Fotos aus der Gründungszeit, keine Antworten auf Bewertungen. Das ist, als würden Sie Ihr Ladenschild schief hängen lassen und sich wundern, dass niemand reinkommt.

Was Google von Ihnen will, ist gar nicht kompliziert: aktuelle Informationen, regelmäßig neue Fotos, und dass Sie auf Bewertungen antworten. Jede einzelne. Die guten bedanken, die schlechten professionell kommentieren. Google belohnt Aktivität – und Kunden belohnen Menschlichkeit.

2Instagram: Ihre Bühne für den visuellen Eindruck

Instagram hat sich in den letzten Jahren verändert – vom Foto-Album zum Video-Kanal. Reels, also kurze Videos von 15 bis 90 Sekunden, bekommen bis zu 35 Prozent mehr Reichweite als normale Bildbeiträge. Und hier wird es interessant: 55 Prozent der Reels-Aufrufe kommen von Menschen, die Ihnen noch gar nicht folgen. Das heißt: Reels sind kein Werkzeug zur Kundenpflege, sondern zur Kundengewinnung.

Für Einzelhändler ist Instagram ein Schaufenster, das nie schließt. Neue Ware, Einblicke hinter die Kulissen, die Inhaberin, die erzählt, warum sie dieses Produkt ausgesucht hat. Menschen kaufen nicht nur Produkte – sie kaufen Geschichten und Sympathie.

Für Handwerker gilt: Zeigen Sie, was Sie können. Ein Zeitraffer einer Badezimmer-Renovierung ist spannender als jeder Imagefilm. Ein Vorher-Nachher-Vergleich erzählt mehr als tausend Worte auf Ihrer Website. Und Ihr Azubi, der in die Kamera grinst und seinen Arbeitsalltag zeigt? Das ist gleichzeitig Marketing und Personalgewinnung.

Für Finanzdienstleister wird es auf Instagram schwieriger – aber nicht unmöglich. Der Schlüssel heißt: Komplexes einfach machen. Kurze Erklärvideos zu Steueränderungen, Infografiken zu Sparstrategien, ein wöchentlicher „Finanz-Tipp in 30 Sekunden“. Wer es schafft, trockene Themen menschlich zu verpacken, baut Vertrauen auf wie kaum ein anderer Kanal.

Der häufigste Fehler auf Instagram: Perfektion anstreben. Die Zeiten von perfekt ausgeleuchteten Hochglanzfotos sind vorbei. Nutzer wollen Echtes sehen. Ein verwackeltes Video aus der Werkstatt schlägt ein gestelltes Stockfoto – immer.

3TikTok: Der Newcomer, den Sie nicht unterschätzen sollten

„TikTok? Das ist doch was für Teenager.“ Diesen Satz hören wir ständig. Und er war vielleicht 2020 noch richtig. Heute ist TikTok die am schnellsten wachsende Plattform in der Altersgruppe 25 bis 45 – also genau bei den Menschen, die eine Küche bestellen, einen Finanzberater suchen oder im Einzelhandel einkaufen.

TikToks Stärke ist der Algorithmus. Anders als bei Instagram müssen Sie keine Follower aufbauen, bevor Ihre Inhalte gesehen werden. Ein einziges gutes Video kann zehntausende Menschen erreichen – auch wenn Sie gestern erst Ihr Konto erstellt haben. Das ist, als würde Ihnen jemand ein Megafon in die Hand drücken und sagen: „Mal sehen, ob das, was du zu sagen hast, die Leute interessiert.“

TikTok belohnt Authentizität, Humor und Nützlichkeit. Ein Elektriker, der in 30 Sekunden erklärt, warum Mehrfachsteckdosen in Reihe eine schlechte Idee sind, generiert mehr Vertrauen als eine ganzseitige Zeitungsanzeige. Ein Einzelhändler, der seine kuriosesten Kundenmomente nachspielt, bekommt Reichweite, die er sich bei Google erst über Monate erarbeiten müsste.

Aber: TikTok kostet Zeit. Nicht in der Produktion – die Videos sind schnell gedreht. Sondern in der Regelmäßigkeit. Drei Videos pro Woche sind das Minimum, um vom Algorithmus berücksichtigt zu werden. Wer nur einmal im Monat etwas postet, kann es gleich lassen.

Die Entscheidungsmatrix: Welche Plattform passt zu wem?

Hier kommt die ehrliche Empfehlung – kein „kommt drauf an“, sondern klare Ansagen:

Handwerker

Wenn Sie Handwerker sind, starten Sie mit Google und ergänzen Sie mit Video-Content auf Instagram oder TikTok. Ihre Kunden suchen Sie, wenn das Rohr tropft oder die Wand feucht ist – und dann suchen sie bei Google. Aber um als Marke sichtbar zu werden und Nachwuchs zu finden, sind kurze Videos Gold wert.

Einzelhandel

Wenn Sie Einzelhändler sind, ist Instagram Ihr Hauptkanal. Hier zeigen Sie Produkte, Atmosphäre und Persönlichkeit. Google ist Pflicht für die Auffindbarkeit, aber Instagram bringt die Laufkundschaft der digitalen Welt.

Finanzdienstleister

Wenn Sie Finanzdienstleister sind, setzen Sie auf Google und LinkedIn. Ihre Kunden suchen seriöse Kompetenz, nicht Tanzvideos. Ein professionelles Google-Profil mit exzellenten Bewertungen und eine durchdachte LinkedIn-Präsenz mit Fachbeiträgen positionieren Sie als Experten.

Die Eine-Plattform-Regel


Zum Schluss die wichtigste Regel, die kaum jemand ausspricht: Es ist besser, auf einer Plattform exzellent zu sein als auf dreien mittelmäßig. Wählen Sie die Plattform, auf der Ihre Kunden sind, und investieren Sie dort Ihre Zeit. Erst wenn Sie dort regelmäßig und gut aufgestellt sind, erweitern Sie.

Ein perfekt gepflegtes Google-Profil schlägt eine halbherzige Dreifach-Strategie. Jeden Tag.

Ihr Aktionsplan für diese Woche: Wählen Sie eine Plattform. Nicht zwei, nicht drei. Eine. Investieren Sie diese Woche 30 Minuten pro Tag in diesen einen Kanal. Nach vier Wochen entscheiden Sie, ob Sie erweitern.

Das Buffet kann warten. Nehmen Sie sich erst mal den besten Teller.

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